Bayerische Tischfussballer bei der Tischfussball-WM in Frankreich

In Bayern wurden letzte Woche alle Tischfussballerdaumen für Asimenia Kiroglou, Sabine Steinlechner, Heinz Kiessling und Andreas Werner gedrückt. Sie wurden im Namen des DTFB nach Nantes entsandt um Ehre und Titel für Deutschland zu gewinnen.

54 Nationalmannschaften (32 Herren-und 20 Damen-Teams) aus aller Welt, ca. 750 Teilnehmer (Spieler/innen World Cup, World Championships zzgl. Begleitpersonen und Delegierte) trafen sich vom 8. bis 11.Januar 2009 nahe der Französischen Atlantikküste in Nantes.

Dieser Mega-Event "soll einen Wendepunkt in der Entwicklung des Tischfußballsports" mit sich bringen.
Neu im Programm sind die Rollstuhlfahrer, die im Doppel an speziellen Tischen ihren Weltmeister ausspielen. Welchen Stellenwert dieser "Meilenstein im Tischfußballsport" in Frankreich eingenommen hat, bezeugt eine eigens von der Französischen Post dafür aufgelegte Briefmarke „ITSF Worldcup 2009 Nantes. Für Deutschland gehen insgesamt 35 Spielerinnen und Spieler an den Start. Somit stellt der amtierende Vizeweltmeister Deutschland zahlenmäßig das größte Team aller teilnehmenden Nationen und holt bei den Frauen den World Cup nach Deutschland. Betreut wird die Deutsche Delegation vom Nationalmannschafts-Koordinator des DTFB, Volker Gröschl. Das des TV-Sender Eurosport2, der zwei jeweils 26-minütige Beiträge produzierte, die vor ihrer europaweiten Ausstrahlung in elf unterschiedliche Sprachen übersetzt werden, zeigte deutlich, dass das Interesse am Tischfussballsport in der Öffentlichkeit immer größer wird. Die bayerischen Funktionäre sind schon gespannt was dieser erste ernsthafte Versuch eines Sportsenders den Tischfußballsport einem breiten Publikum näher zu bringen für die Zukunft unseres Sportes bringt.

Andreas Werner und Heinz Kießling haben als Deutscher Vizemeistertitels 2007 im Herrendoppel ihre Fahrkarte für die Weltmeisterschaft gelöst. Asimenia Kiroglou und Sabine Steinlechner sind Mitglied der Damennationalmannschaft. Darüber hinaus hat sich Asimenia Kiroglou als Deutsche Einzelmeisterin 2008 im Einzel und zusammen mit ihrer Partnerin Sabine Steinlechner im Damen-Doppel für die WM qualifiziert.

Im Anschluss beschreibt unser Sportwart Heinz "Lassiter" Kiessling seine Eindrücke von dem vermutlich größten Erlebnis seiner langen Tischfussballerkarriere.

Vielen Dank mein persönlicher Live-Stream Star!

Als Spieler:

Als Spieler muss ich sagen, lief es nicht gut. Wir hatten zwar keine leichten Gegner, denn 2 von den 4 Gegnern waren die jeweiligen Landesmeister, der Rest alles Nationalspieler. Eigentlich fing es ja gut an. Die ersten Gegner waren Björn Brose und Chris Marks. (Na prima – da fahren wir zur WM mit 32 Nationen und wir spielen gegen unsere eigenen Leute!) Da haben wir das erste Spiel 7:5 gewonnen, das zweite 6:7 verloren. Die nächsten Gegner waren die niederländischen Nationalspieler Hank Habets und Elroy Starren (Tecball und Bonzini), und da haben wir beide Spiele verloren. Denke, das uns die Niederlage auf Tecball mit 7:6 das „Genick gebrochen hat“, obwohl wir auf Bonzini  mithalten konnten, aber trotzdem 7:4 verloren. Von da an gings bergab. Die nächsten Gegner waren die Polnischen Meister und die Dänischen Meister, und gegen diese beiden haben wir leider auch jeweils mit 2:0 verloren.

 

Als SchiedsrichterBild 1klein "This is my referee!“ Originalton Toni Spredeman. Und das war für mich Anerkennung und Motivation pur. Aber auch Tom Yore, Adrian Zamora und Christian (Chef der ITSF-Turnierleitung) waren sehr zufrieden mit meiner Leistung, was sie mir mehrmals bestätigt haben.

 

Was mir besonders auffiel war, dass alle Nationen die Schiedsrichter vollkommen akzeptiert haben  und es gab keinerlei großartige Diskussionen mit den Schiedsrichtern nach einer endgültigen Entscheidung. Die Entscheidungen wurden einfach respektiert. Wir Schiedsrichter waren in  entsprechende Zonen  (Spielbereiche) eingeteilt, in denen sich die Spieler und Coaches aufhielten. Da musste man auf die Zuschauer achten, und vor allem auf die Coaches. Da hat doch tatsächlich der französische Coach während des Spiels seine Spielerin mit Zeichensprache darauf hingewiesen, dass sie ein timeout nehmen soll. Ich habe das gesehen, und wollte ihn gerade davon abhalten, als ein tschechischer Spieler, der das eher gesehen hat als ich,  handgreiflich wurde und den französischen Coach an der Schulter packte und ihn vom Tisch wegriss. Da musste ich körperlich dazwischen gehen und beide beruhigen.

 

WCS Men Doubles

Zum Aufwärmen durfte ich mit Yuri Otten das Halbfinale Spredeman/Yore : Ludwig/Wahl pfeifen.

Da hat Yuri Otten dem Spredeman nach Rücksprache mit mir eine Verwarnung gegeben wegen deutlichem Nachschlagen nach einem Tor („unsportsmanlike“). Der hat ganz schön blöd geschaut.

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Anschließend mit Adrian Zamora das Finale  Ludwig/Wahl : Atha/Hamilton

Da hat Tim Ludwig ein Tor von Robert Atha als „kein Tor“ gesehen. Da gab es kurz Stress und Adrian hat mich gefragt, ob es ein Tor war, und ich hatte es ganz deutlich gesehen und sagte: JA.

Da gab es kurze Tumulte auf der Deutschen Tribüne und nach dem Spiel wurde ich von vielen gefragt, ob er tatsächlich drin war. Und ich sags noch mal – auch wenn es die Deutschen waren – er war klar drin!

 

Nun war ich so richtig in Stimmung und wurde zu  mehreren  Länderbegegnungen eingeteilt, was bedeutete am Freitag 10 Stunden und am Samstag 12 Stunden ständigen Einsatz.

 

Aber das absolute Schiedsrichterhighlight war, als mich Tom Yore bat, das ¼-Finale USA-Frankreich zusammen mit Boris Atha (1 Stern) zu leiten. Ich habe ihn auf meinen Rang hingewiesen, darauf sagte er: „You are the referee! Come on!“ Ich dachte: Gott hilf mir!!!!

 

Und so kam es, dass ich erst allein die Top-Spieler der Welt und dann das Entscheidungsspiel zusammen mit Boris Atha leiten durfte.

 

Worldcup Einzel:

Tom Yore : Paul Nunes (wobei beide !!! kurz  vor einem RESET-Technical standen)

Toni Spredeman : Adel Yousfi (hier hatte mich  Toni nach einem Doppelschlag von Adel auf der 5 angesprochen, ob das nicht ein Faul wäre und sofort ein Timeout genommen und ist vom Tisch weggegangen, noch bevor ich das Foul reklamieren konnte. Er war ja noch im Ballbesitz und hat den Ball dadurch nicht verloren. Daraufhin habe ich zu Toni Spredeman gesagt, „please no discussion with the referee“ – und er war ruhig. Dann habe ich Adel ermahnt, beim nächsten Mal ist es ein Warning. Er hat ok gesagt und das Spiel ging weiter.)

Bild3klein

Worldcup Doppel: 1x allein und 1x Entscheidung mit Boris Atha:

Der französische Spieler hat deutlich nach dem „ready“ der Amerikaner nicht innerhalb von 3 Sekunden geantwortet. Das habe ich mir 2x angeschaut, dann habe ich das Spiel gestoppt, bin zu Boris hin, und habe ihn darauf aufmerksam gemacht. Der war ganz verdattert (?!) Da bin ich auf meinem Platz zurück und habe dem Franzosen klar gesagt, dass er nur 3 Sekunden und keine 6 Sekunden nach dem „Ready“ hat…… dann hat es funktioniert.

 

Ich könnte noch mehr erzählen, würde aber den Rahmen hier sprengen.

Kann nur sagen, dass die Schiedsrichter total akzeptiert und respektiert wurden, und ich mir das auch für Deutschland wünsche. Ich  habe sehr viel gelernt und  freue mich schon auf die Schiedsrichterausbildung in Bayern.

 

Euer Heinz

 

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